BUND-LÄNDER-STRATEGIE SCHULBILDUNG : Trendumkehr in zehn Jahren: BMK legt Plan für bessere Bildung vor

30. März 2026 // Ulrike Günther

Faire Bildungschancen für alle, unabhängig von der Herkunft: Um dieses Ziel zu erreichen, sind nach Überzeugung der Bildungsminister:innen mehr gemeinsame Anstrengungen erforderlich. Auf ihrer 7. Konferenz (BMK) haben sie sich mit Bundesbildungsministerin Karin Prien (Union) in Reaktion auf die Studie des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) auf eine Bund-Länder-Strategie geeinigt. Damit beabsichtigen sie, eine möglichst schnelle Umkehr des jahrelangen Rückgangs bei Grundkompetenzen von Schüler:innen zu bewirken.

Seit Jahren stellen Studien einen Rückgang bei sculischen Kompetenzen fest. - Bild: flickr/ Allison Shelley
Seit Jahren stellen Studien einen Rückgang bei sculischen Kompetenzen fest. - Bild: flickr/ Allison Shelley

zwd Berlin. Die BMK-Präsidentin und bayerische Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) legte in ihrer Stellungnahme anlässlich der 7. BMK am 26 März in Berlin einen Fokus darauf, die Erkenntnisse aus dem IQB Bildungstrend 2024 konsequent zu nutzen. Im Unterricht müssten "konkrete Veränderungen“ umgesetzt werden. Bundesbildungsministerin Prien mahnte, man dürfe sich mit dem Rückgang bei den Schüler:innen-Kompetenzen nicht abfinden. Jedes Kind solle "die Chance auf bessere Bildung" haben und seine Potenziale "unabhängig von Herkunft und Startbedingungen" entfalten.

Prien fordert Umsetzung wirksamer Ansätze und Stärkung von Schulen

Prien forderte, der Bund und die Länder sollten auf Basis von Evidenzen handeln, wirksame Herangehensweisen rasch realisieren und spürbar die Schulen stärken. Die Ministerin betonte, beide trügen gemeinsam für gerechtere Bildung und stärkere Schulleistungen der Kinder Verantwortung. Als Erstes ist laut der vereinbarten Strategie vorgesehen, dass die Länder mit Beteiligung des Bundes von insgesamt 7 festgelegten Handlungsfeldern datengestützte, schul- und unterrichtsbezogene Qualitätsentwicklung voranbringen, Lernvoraussetzungen von Schüler:innen, vor allem sozial-emotionale Kompetenzen und Selbstwirksamkeit, verbessern und Erkenntnisse der Bildungsforchung direkt in Maßnahmen für Unterrichtspraxis übertragen.

Streichert-Clivot: Unterstützung stärken, wo sie besonders dringlich ist

Die saarländische Bildungsministerin und Koordinatorin der A-Länder Christine Streichert-Clivot (SPD) erkennt im IQB-Bildungstrend 2024 "ein deutliches Signal". Aus der steigenden Ungleichheit bei Bildungschancen leitet Streichert-Clivot die Aufgabe ab, dass "wir gezielter und wirksamer werden müssen". Faktische Veränderungen sollten ihrer Ansicht nach "im Unterricht, in der Förderung und an den Übergängen im Bildungssystem" ansetzen. Es gelte, allen Kindern Aufmerksamkeit zu widmen und "Unterstützung dort zu stärken, wo sie am dringendsten gebraucht" werde.

Dafür benötige man "mehr Verbindlichkeit" und eine besser abgestimmte Vorgehensweise, hob die SPD-Politikerin hervor. Nach Auffassung der nordrhein-westfälischen Schulministerin und B-Länder-Koordinatorin Dorothee Feller (Union) sollte man in der Folge der IQB-Studie die Unterrichtsqualität noch zielgerichteter als bisher "in den Mittelpunkt stellen". Man müsse sich verstärkt fragen, wie sich die Jugendlichen besser erreichen ließen und wie man ihnen im Unterricht Erfolgserlebnisse verschaffen könne.

Strategie soll Anteil leistungsschwacher Schüler/innen deutlich reduzieren

Die von der BMK beschlossene sog. Roadmap fasst die Resultate des gemeinsamen Arbeitsprozesses von Bund und Ländern zusammen, der nach Angaben der Kultusministerkonferenz (KMK) wissenschaftliche Fachkenntnisse und Schulpraxis mit einbezogen habe. Bund und Länder streben demnach an, im Laufe der nächsten Dekade den Anteil von Kindern, die schulische Mindeststandards nicht schaffen, deutlich zu reduzieren und hervorragende Lernleistungen speziell zu fördern. Weitere, im BMK-Plan umrissene zentrale Aufgabenfelder betreffen das Handeln von Schulaufsicht und Schulleitungen, frühkindliche Sprachförderung, Lehrkräftebildung sowie Sicherstellen der Qualität von Unterrichtsmaterialien. Diese seien gemäß der Strategie der Minister:innen in einem zeitlich beschränkten, "strukturierten, länderoffenen Austausch()" über die Staatsminister:innen vertiefend zu bearbeiten, um geeignete Ansätze und Maßnahmen zu entwickeln.

Hintergrund des Strategie-Papiers bildet der im Oktober 2025 veröffentlichte IQB-Bildungstrend, bei dem die zum dritten Mal (nach 2018 und 2012) in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern getesteten Schüler:innen der 9. Klasse in Sekundarstufe I nach Aussagen des IQB "besorgniserregend" schwache Ergebnisse erzielten. Der Studie zufolge erreichten 8,8 Prozent der 15-/ 16-Jährigen in Mathematik nicht den Mindeststandard für den Ersten Schulabschluss (ESA), über ein Drittel (34,1 Prozent) verfehlte das minimale Niveau der Mittleren Reife (MSA), knapp 10 Prozent mehr als noch 2018 (24,3 Prozent). Bei Schüler:innen, die wenigstens einen MSA absolvieren möchten, stieg die Quote derjenigen, welche den Mindeststandard dafür nicht schaffen, in Mathematik auf 23,6 Prozent (+ 5 Prozent). Beim Fachwissen in Biologie verdoppelte sich die Rate im Vergleich mit 2018 auf ein Zehntel (2018: 5,4 Prozent), in Chemie nahm sie um 7,6 Prozentpunkte auf über ein Viertel zu (2018: 16,8 Prozent), in Physik um 7,4 Prozent (2018: 8,8 Prozent).

Soziale Disparitäten gestiegen, erhebliche Kompetenzunterschiede

Die geschlechtsbezogenen Disparitäten zwischen Schüler:innen blieben seit 2018 überwiegend gleich: Jungen schnitten durchgängig in Mathematik besser (+ 12 Punkte) ab als Mädchen, Mädchen in den Naturwissenschaften besser (+ 21 bis 4 Punkte) als Jungen. Demgegenüber stiegen seitdem die sozio-ökonomischen Unterschiede zwischen den Jugendlichen. In allen untersuchten Kompetenzbereichen sei die Beziehung von gemessenen Leistungen und wirtschaftlich-sozialem Status der Familien substanziell, heißt es in der Studie, d.h. Schüler:innen mit sozial privilegiertem Hintergrund erreichten im Mittel bessere Leistungen. Das Verhältnis von Fähigkeitswerten und sozio-ökonomischem Status, beschrieben über den sog. sozialen Gradienten, habe sich aber seit der Vorgänger-Untersuchung nicht signifikant geändert.

Die Werte lagen wie schon 2012 und 2018 in den geprüften Fächern bei 34 bis 40 Punkten, um welche die Leistungen von sozial benachteiligten Schüler:innen und denjenigen aus wirtschaftlich durchschnittlich gestellten Familien differierten. Für das anhand der in den Haushalten vorhandenen Büchern angegebene kulturelle Kapital stellte das Forscher:innen-Team fest, der Anteil der Jugendlichen aus Familien mit über 100 Büchern im Regal sei wie schon zwischen 2012 (46,5 Prozent) und 2018 (40,4 Prozent) erneut gesunken, auf nunmehr 37,5 Prozent. Schüler:innen aus Familien, die insgesamt mehr Bücher besitzen, würden in allen untersuchten Fähigkeitsfeldern im Mittel ausgeprägt höhere Kompetenzwerte erlangen. Die mit dem kulturellen Kapital verknüpften, erheblichen Diskrepanzen in den getesteten Leistungen seien andererseits im Wesentlichen stabil geblieben.











Artikel als E-Mail versenden