In den Medien, insbesondere nach Berichten in der BILD-Zeitung und im Handelsblatt sowie in der Rheinische Post („Im Wirtschaftsministerium brodelt es“ – 13.07.2026) wurde zuletzt spekuliert, dass Bundeskanzler Merz auch seine Wirtschaftsministerin ablösen werde. Dort wird auf die Unzufriedenheit des Kanzlers mit seiner Ministerin hingewiesen. Ihre Aufgabe wäre gewesen, Deutschland aus der Wirtschaftskrise zu führen.
Zwar habe zuletzt ein Gespräch zwischen Merz und Reiche stattgefunden, was als letzte Warnung an die Ministerin interpretiert wird, ihren Führungsstil zu ändern und auch Alleingänge auf EU-Ebene zu unterlassen. Auch die offene Kritik Reiches an Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) war März als Kontrapunkt zu der von ihm positiv bewerteten Zusammenarbeit mit dem SPD-Co-Chef sauer aufgestoßen. Der Regierungschef hatte Reiche zu einer besseren Kooperation im Kabinett abgemahnt.
Nun wird der wichtige Chef der Leitungsabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums Jan Dietrich Müller nach nur 73 Tagen auf dieser Position (Arbeitsbeginn 4. Juni 2026) das Ministerium zum 15. August auf eigenen Wunsch wieder verlassen. Das sei nicht überraschend, wird aus Mitarbeiterkreisen kolportiert, denn die Leitungsabteilung unterstehe Reiche unmittelbar: „Da schlägt ihr Führungsstil dort am stärksten durch, es gibt keinen Puffer mehr“ (reddit.com, 27.07.2026. Im Handelsblatt (28.07.2026) wird darauf hingewiesen, dass bereits dessen Vorvorgängerin Yvonne Schreiber, zuvor Büroleiterin des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers Peter Altmeier nach rund einjähriger Tätigkeit (Arbeitsbeginn 25.05.2025) wegen Differenzen mit ihrer Chefin von Ministerin Reiche „entfernt“ wurde.
Schwerwiegender dürfte sein, dass auch die Parlamentarische Staatssekretärin und mächtige Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) der CDU/CSU, Gitta Connemann, das Reiche-Ministerium verlässt und in das Digitalministerium wechselt. Sie war bisher die wichtigste Stütze Reiches in der Unionsfraktion.
Reiche selbst fällt gesundheitsbedingt (wegen einer nach ihren Angaben aus politischen Gründen mehrmals verschobenen Operation) erst einmal aus und wird nach Angaben ihres Ministeriums Termine außer Haus zunächst nicht mehr wahrnehmen. Nicht auszuschließen ist, dass sie angesichts des Gegenwinds in ihre Hause ihren Posten im September, also nach Ende der parlamentarischen Sommerpause aus gesundheitlichen Gründen aufgibt und damit gesichtswahrend dem Kanzler die Möglichkeit schon jetzt eröffnet, in Ruhe die Neubesetzung der Spitze des Bundeswirtschafts- und Energieministeriums vorzubereiten.
Anmerkung des zwd-POLITIKMAGAZINs: Der Kanzler braucht einen Neuanfang nach dem holprigen Start mit der Kabinettsumbildung, eben einen "Karl Schiller 2.0" oder eine "Karla Schiller" mit den gesamten Wirtschaftsbereich umfassender und öffentlich anerkannter Expertise.