KANZLER-ÄUßERUNG IM REALITÄTSCHECK : destatis relativiert Kanzler-Äußerung, Alleinerziehende sollten mehr arbeiten (I)

25. Juli 2026 // Holger H. Lührig

zwd Berlin. Zu der Debatte über die umstrittenen Kürzungspläne von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) zum staatlichen Unterhaltsvorschuss hat das Statistische Bundesamt (destatis) jetzt eine Faktenübersicht zur Lebenssituation von Alleinerziehenden beigesteuert. Es relativierte dabei die Einschätzung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), alleinerziehende Mütter sollten mehr arbeiten, um so durch ein verbessertes Einkommen die seiner Auffassung nach haushaltspolitisch notwendige Herabsetzung der staatlichen Leistung von 18 auf 16 Jahre aufzufangen.

Merz meint: Alleinerziehende Mütter sollen mehr arbeiten (Bild: Livestream Bundespressekonferenz)
Merz meint: Alleinerziehende Mütter sollen mehr arbeiten (Bild: Livestream Bundespressekonferenz)

Kürzungspläne beim Unterhaltsvorschuss nicht spruchreif und fragwürdig

In der Bundespressekonferenz am 15. Juli hatte der Kanzler diese These vertreten, allerdings auch zu Ausdruck gebracht, dass die Kürzungsvorhaben bisher nur eine Idee seien, aber noch keinen Gesetzescharakter hätten. Das Statistische Bundesamt hatte seine Veröffentlichung mit der bemerkenswerten Feststellung eingeleitet: „Momentan wird über eine Reform des staatlichen Unterhaltsvorschusses für Kinder von Alleinerziehenden diskutiert.“

Die Kernbotschaften der destatis-Pressemitteilung vom 23. Juli 2026 lauteten wörtlich

  • Knapp jede fünfte Familie 2025 mit alleinerziehendem Elternteil
  • 373 000 Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren leben bei Alleinerziehenden
  • Alleinerziehende Mütter arbeiten häufiger in Vollzeit als Frauen in Paarfamilien
  • Alleinerziehende und ihre Kinder sind überdurchschnittlich oft armutsgefährdet

Alleinerziehende Mütter arbeiten häufiger in Vollzeit, alleinerziehende Väter seltener als Mütter und Väter in Paarfamilien

Signifikant im Widerspruch zur Kanzler-Forderung, alleinerziehende Mütter sollten mehr arbeiten, steht die destatis-Feststellung: „Alleinerziehende Mütter arbeiten häufiger in Vollzeit als Mütter mit einem Partner oder einer Partnerin, bei alleinerziehenden Vätern ist es umgekehrt. Im Jahr 2025 arbeiteten 38,6 % der 956 000 erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter mit Kindern unter 18 Jahren in Vollzeit. Bei Müttern, die in einer Ehe oder Lebensgemeinschaft lebten, lag die Vollzeit-Erwerbstätigenquote bei 30,7 %. Der Anteil der erwerbstätigen alleinerziehenden Väter mit minderjährigen Kindern, die in Vollzeit arbeiten, war mit 83,8 % hingegen niedriger als der von Vätern in Partnerschaft (91,5 %).Insgesamt lag die Erwerbstätigenquote von Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 Jahren im vergangenen Jahr bei 71,8 %. Väter (82,8 %) waren dabei häufiger erwerbstätig als Mütter (69,8 %).“

Weiter unter Alleinerziehende II



Artikel als E-Mail versenden