In der Koalition herrscht Irritation, nachdem sich am 24. April CSU-Chef Markus Söder explizit für eine Kandidatur seiner Parteifreundin, der bayerischen Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) als Nachfolgerin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) ausgesprochen hat. Aus SPD-Kreisen wurde zwar deutlich, dass man sich vorstellen könnte, die 61-Jährige für dieses Amt zu nominieren. Allerdings sei eine Vorentscheidung dem Koalitionsausschuss vorbehalten. Das Spitzengremium von CDU, CSU und SPD tagt am heutigen Dienstag. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass dazu bereits jetzt, neun Monate vor der anstehenden Wahl des Bundespräsidenten, eine Vorentscheidung gefällt wird.
Aigner gilt als politisch erfahrene Landes- und Bundespolitikerin, heißt es aus Bayern, und habe als Landtagspräsidentin gezeigt, dass sie auch in schwierigen Zeiten einem überparteilichen Kompass folge. Gleichwohl wird in Koalitionskreisen darüber gerätselt, was Söder dazu veranlasst habe, diese Personalie bereits jetzt öffentlich zu machen. Über eine mögliche Kandidatur Aigners hatte das zwd-POLITIKMAGAZIN bereits in einem ausführlichen Beitrag in der Ausgabe 408 am 31. August 2025 berichtet.
In der CDU scheint man offenbar nicht glücklich zu sein über das Vorpreschen Söders, zumal dort zwei weitere Unionsfrauen als Kandidatinnen genannt werden: die ehemalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die wohl zur Verfügung stünde, und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die allerdings dann ihr EU-Amt vorzeitig aufgeben müsste. Sie war vom EU-Parlament im Juli 2024 für ihre zweite fünfjährige Amtsperiode bis 2029 gewählt worden.